Ein zweiter PISA-Schock?!

Bildungspolitik

PISA 2025: Deutschlands schlechtestes Ergebnis – und warum die Antwort nicht „die Schule“ heißt

Am 8. September 2026 hat die OECD die Ergebnisse der PISA-Studie 2025 veröffentlicht. Das Ergebnis für Deutschland: das schlechteste seit Beginn der Studie im Jahr 2000.

Die Zahlen im Überblick:

  • Mathematik: 464 Punkte (−11 Punkte gegenüber 2022)
  • Lesekompetenz: 465 Punkte (−15 Punkte gegenüber 2022)
  • Naturwissenschaften: 486 Punkte (−6 Punkte gegenüber 2022)

Zum Vergleich: Jeder dritte 15-Jährige in Deutschland erreicht nicht einmal das Mindestniveau in Mathematik oder Lesen – das sind Kompetenzen, die für eine erfolgreiche Ausbildung oder ein Studium vorausgesetzt werden.

International bleibt Deutschland Mittelmaß

National wird PISA gern als Nabelschau betrieben – dabei lohnt der Blick über die Grenze. Innerhalb Europas führt Estland mit 527 Punkten in den Naturwissenschaften und zeigt seit mehreren PISA-Zyklen, dass ein leistungsstarkes, öffentliches Schulsystem europäisch möglich ist. Weltweit liegen Singapur, Japan, Südkorea und die chinesischen Regionen seit Jahren an der Spitze – mit einem Vorsprung, den Deutschland trotz vergleichbarer wirtschaftlicher Ressourcen nicht aufholt.

Das heißt nicht, dass diese Systeme 1:1 übertragbar sind – unterschiedliche Kulturen, unterschiedlicher gesellschaftlicher Druck. Aber es zeigt: Das Ergebnis ist kein Naturgesetz. Es ist das Ergebnis von Entscheidungen, die andere Länder anders getroffen haben.

Das übliche Ritual – und warum es nichts ändert

Jedes Mal, wenn eine PISA-Studie erscheint, beginnt dasselbe Spiel: Die Kommentarspalten füllen sich, ein Sündenbock wird gesucht. Mal sind es „die Lehrer“, mal „die Schüler mit ihren Handys“. Drei Tage Aufregung – dann verschwindet das Thema wieder, bis zur nächsten Studie in drei bis vier Jahren.

Wir wollen an dieser Stelle bewusst nicht von Schuld sprechen. Schuld sucht einen Einzelnen, dem man die Verantwortung zuschieben kann, und endet meistens dort, wo die eigene Betroffenheit aufhört. Wir sprechen von Verantwortung – und die tragen wir als Gesellschaft gemeinsam.

Eine Gruppe nehmen wir dabei ausdrücklich heraus: die Schülerinnen und Schüler selbst. Sie sitzen in einem System, das wir – Erwachsene, Eltern, Politik, Bildungsinstitutionen – gebaut haben, und müssen mit dessen Ergebnissen leben. Sie sind nicht die Verantwortlichen. Sie sind die, die es ausbaden.

Wer trägt dann die Verantwortung?

→ Die Gesellschaft. Vor 20 Jahren war Erziehung noch stärker eine geteilte Aufgabe – Nachbarschaft, Vereine, ein Umfeld, das mit hinschaute, wenn es um Kinder außerhalb der eigenen vier Wände ging. Heute schaut dieses Umfeld häufiger weg.

→ Die Eltern. Aus Sorge werden Kinder heute in der realen Welt oft überbehütet, in der digitalen Welt dagegen häufig komplett unbeaufsichtigt gelassen.

→ Politik und Schulsystem. Hier lohnt der Blick auf konkrete Belege statt auf Bauchgefühle:

  • Nur 35 % der deutschen Lehrkräfte glauben laut der ICILS-Studie 2018 überhaupt, dass digitale Medien das Lernen unterstützen – damit liegt Deutschland im internationalen Vergleich auf einem der hintersten Plätze (Eickelmann, 2020).
  • Digitale Medien werden in deutschen Klassenzimmern nach wie vor überwiegend als Beamer im klassischen Frontalunterricht eingesetzt, kaum kooperativ oder schülerzentriert.
  • Die Mittel aus dem ersten Digitalpakt Schule (2019–2024) wurden über Jahre nur schleppend abgerufen; erst zum Laufzeitende erreichte die Abrufquote annähernd vollständige Werte. Seit dem 1. September 2026 läuft der Digitalpakt 2.0 mit 5 Milliarden Euro über fünf Jahre – ob die Umsetzung diesmal schneller gelingt, bleibt abzuwarten.
  • Klassenzimmer sehen in vielen deutschen Schulen noch aus wie vor 40 Jahren – frontal ausgerichtete Tischreihen, wenig Flexibilität. Dabei zeigt die OECD-Forschung zu Innovative Learning Environments bereits seit 2013: Der Raum selbst wirkt wie ein „dritter Lehrer“ und beeinflusst nachweislich, wie gelernt wird.
  • Kein Kind lernt in der Schule strukturiert, wie man verantwortungsvoll mit Künstlicher Intelligenz umgeht – dabei nutzen laut PISA 2025 bereits 50 % der 15-Jährigen wöchentlich KI-Chatbots zum Lernen.

Das ist kein Einzelversagen einzelner Lehrkräfte oder Schulen. Das ist ein System, das seit über 20 Jahren nicht ernsthaft grundlegend reformiert wurde – trotz PISA-Schock 2001, trotz aller Sonntagsreden seither.

Warum uns das bei JuliTutoring jeden Tag begegnet

Wir sehen die Kinder hinter diesen Zahlen jeden Tag – in unserer Arbeit als Nachhilfe- und Bildungsunternehmen, und ich persönlich als angehender Lehrer.

Aber die Kinder, die bei uns Unterstützung suchen, scheitern nicht, weil sie es nicht könnten. Sie scheitern, weil das bestehende System oft nicht einmal versucht, sie dort abzuholen, wo sie gerade stehen.

Genau das ist der Anspruch, mit dem wir bei JuliTutoring arbeiten: individuelle Förderung statt Gießkannenprinzip, echte Diagnostik statt reiner Notenvergabe, und ein Blick auf das einzelne Kind statt auf den Klassendurchschnitt.

Die Frage ist nicht mehr, ob wir etwas ändern müssen

Die Frage ist, wer zuerst anfängt.

Wir haben unsere Antwort bei JuliTutoring bereits gegeben – jeden Tag, in jeder einzelnen Unterrichtsstunde. Wie sieht eure Antwort aus?


Quellenverzeichnis (APA7)

Eickelmann, B. (2020). ICILS 2018 – Wo steht Deutschland im internationalen Vergleich? Friedrich Jahresheft #schuleDIGITAL, 38, 12–13.

Deutsches Schulportal. (2020, 7. Juli). ICILS 2018: Wo steht Deutschland in der digitalen Bildung? https://deutsches-schulportal.de/bildungswesen/icils2018-wo-steht-deutschland-in-der-digitalen-bildung/

  Anmerkung zu den beiden ICILS-Einträgen: Datenbasis ist die Erhebungswelle 2018; die nächste ICILS-Welle wird aktuell schrittweise veröffentlicht. Im Text daher als strukturelles Muster formuliert, nicht als tagesaktuelle Zahl.

Deutsches Schulportal. (2026, 8. September). PISA-Studie 2025: Die zehn wichtigsten Ergebnisse. https://deutsches-schulportal.de/bildungswesen/die-zehn-wichtigsten-ergebnisse-der-pisa-studie-2025/

Forum Bildung Digitalisierung. (2026, September). DigitalPakt Schule. https://www.forumbd.de/digitalpakt-schule/

Kultusministerkonferenz. (2026, 8. September). PISA 2025 zeigt deutlich: Basiskompetenzen stärken, Bildungschancen verbessern [Pressemitteilung]. KMK. https://www.kmk.org/aktuelles/pressearchiv/mitteilung/kmk-aktuell.html

OECD. (2013). Innovative learning environments. OECD Publishing. https://doi.org/10.1787/9789264203488-en

OECD. (2026). PISA 2025 results (Volume I): Country note – Germany. OECD Publishing. https://www.oecd.org/content/dam/oecd/en/publications/reports/2026/09/pisa-2025-results-volume-i-country-notes_88d1164e/germany_20677961/44abd042-en.pdf

Rösing, P. (2026, 8. September). Pisa-Studie: Vergleichen Sie Deutschland mit anderen Ländern. STERN. https://www.stern.de/gesellschaft/pisa-studie–vergleichen-sie-deutschland-mit-anderen-laendern-38216722.html

Julian Francisco Pedrosa Gil
Inhaber & Gründer JuliTutoring

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